Das Innere der Basilika
In der Mitte der Kirche wird der Papstaltar von dem berühmten Bronzebaldachin überspannt. Dieses Jugendwerk von Bernini wurde zwischen 1624 und 1632 fertiggestellt. Der Baldachin ist 29 Meter hoch und wurde von Papst Urban VIII. Barberini (1623-1644) in Auftrag gegeben, um die “Leere” unter der Kuppel auszufüllen und auf diese Weise eine in die Höhe steigende Bewegung zu schaffen. Zum Guss verwendete man Bronzetafeln aus der Vorhalle des Pantheons. Daher stammt der berühmte Ausspruch “quod non fecerunt barbari fecerunt Barberini” (“das, was die Barbaren nicht taten, machten die Barberini”). Der Baldachin besteht aus vier kolossalen gewundenen Säulen, die mit spiralenförmigen Kannelüren, Oliven- und Lorbeerzweigen und Kompositkapitell verziert sind. Die Decke mit Voluten und außergewöhnlich eleganten Eckstatuen wird von der Kugel aus vergoldeter Bronze gekrönt. Zu beachten sind die Quasten mit den Bienen (dem Wappen der Barberini, das auf ihren Fleiß hindeutet). Hier wird quasi der Effekt des Windes auf dem Baldachin nach einem Transport im Laufschritt simuliert. Im Inneren befindet sich eine goldene Taube, Symbol des hl. Geistes. In der darunterliegenden Ebene liegt das “Grab des hl. Petrus”. Hier sollen der Überlieferung nach die Reste des Apostels aufbewahrt werden. Diese Tatsache hat diesen Ort zu einem der meist verehrtesten der Christenheit gemacht und zur auserwählten Stelle für die Errichtung der größten Kirche der Christenheit. Neue archäologische Untersuchungen scheinen die Richtigkeit der Überlieferung zu bestätigen. Über dem Baldachin erhebt sich majestätisch die Kuppel. Ihre Innendekoration wurde nach Zeichnungen von Giuseppe Cesari, genannt Cavalier d’Arpino, zwischen 1603 und 1613 ausgeführt. Die lateinische Inschrift auf der Basis der Kuppel besagt folgendes: “Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und dir die Schlüssel zum Himmelsreich geben.” Im rechten Transept ist das Denkmal an Clemens XIII. (1758-1769) bemerkenswert. Es ist das Werk eines der größten klassizistischen italienischen Bildhauers, Antonio Canova. Das Werk wurde 1784 in Auftrag gegeben und nach dem Modell der Grabmäler Berninis verwirklicht mit dem Papstporträt über dem Sarkophag und allegorischen Figuren an den Seiten. Hierbei handelt es sich um die Religion mit dem Kreuz in der Hand und dem Totengeist, der die Lebensfackel löscht. Zwei Löwen wachen abwechselnd am Grabmal. Der Altar des Katheder ist eines der bildhauerischen Meisterwerke von Bernini. Im Inneren des großen ovalen Fensters befindet sich die Taube des Heiligen Geistes. Das Fenster aus Alabaster kennzeichnet sich durch Strahlen, welche die Oberfläche in zwölf Bereiche unterteilen und die Apostel symbolisieren. Über dem Bronzekatheder des Petrus erstreckt sich eine außergewöhnliche Wolke aus Engeln und Putten. Darin wird der Holzthron aufbewahrt, welcher der Legende nach der Stuhl des ersten Apostels gewesen sein sollte. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um ein Geschenk von dem französischen König Karl dem Kahlen an den Papst im Jahre 875. Neben dem Thron findet man die zwei Kirchenväter der lateinischen Kirche, Sankt Ambrosius und Sankt Augustinus und die zwei der griechischen Kirche, Sankt Athanasius und Hl. Johannes Crisosthomos. Das Werk wurde 1666 unter Papst Alexander VII. fertiggestellt. An den Seiten befinden sich die Grabdenkmale von Paul III. von Guglielmo della Porta (links) und das von Urban VIII. von Bernini (rechts). Eine weitere Skulptur von großer künstlerischer Bedeutung ist die Papst Alexander VII. gewidmete im linken Transept. Sie ist das letzte Werk von Bernini und wurde vom achtzigjährigen Künstler in Auftrag des Papstes selbst verwirklicht. Das Skelett unter der roten Drapierung und die Sanduhr symbolisieren den Verlauf der Zeit und die Unabwendbarkeit des Todes. Im linken Kirchenschiff ist das Monument von Antonio Canova an die Familie Stuart (1819) zu beachten. Es ist den letzten Nachkommen dieser tapferen englischen Familie gewidmet, die im Profil unter der Konsole porträtiert sind. Das Denkmal an Papst Johannes XXIII. (1958-63) stammt vom Bildhauer Emilio Greco (1964-1967).