2. Oktober 2007 - Homilie
GOTTESDIENST MIT DER SCHULGEMEINSCHAFT “KATHOL. SCHULE LIEBFRAUEN”, BERLIN
Vatikan, Petersdom, Dienstag, 2. Oktober 2007, 11.00 Uhr
Homilie
1. Kein Mensch ist vollkommen. Ein Beispiel dafür finden wir in der Person des Petrus. Und niemand war davon mehr überzeugt als er selbst: Denn als Jesus sich ihm zum ersten Mal näherte, sagte ihm Petrus: „Geh weg von mir; ich bin ein Sünder.“ (Lk 5, 8). Petrus war ein Fischer und hieß eigentlich Simon, aber als Jesus ihm begegnete, sagte er ihm: Dein Name wird Fels sein, „Fels, das heißt Petrus“ (Joh 1, 42), und er lud ihn ein, ihm nachzufolgen, indem er zu ihm sagte: „Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“ (Lk 4, 10). Petrus war kein geschliffener und polierter Stein, kein Kieselstein, der in die Richtung rollt, wohin das Wasser ihn spült. Er war ein fester Fels, stark und lebendig. Er war ein leidenschaftlicher Mensch und seine ganze Leidenschaft galt Jesus von Nazareth.
Er war nicht vollkommen. Er mutete sich viel zu; aber er verstand es auch, einen Tadel anzunehmen. Solches geschah an jenem Tag, zeitlich ein wenig nach der Erzählung des heutigen Evangeliums – als er Jesus vom Weg des Kreuzes abbringen wollte – und Jesus ihn streng rügte: „Satan, ... du hast nicht das im Sinn, was Gott will“ (Mt 16, 23). Petrus steckte ein und machte weiter in der Nachfolge Jesu. Oder als er am Vorabend der Nacht des Verrates durch Judas bekräftigte, er wolle sein Leben für Jesus hingeben, und als er sich zum Haus des Hohenpriesters Kajaphas vorwagte, der Jesus gefangen hielt. Aber dort – und wir wissen nicht warum – wurde er von den Fragen der Dienerschaft in die Enge getrieben und verleugnete mehrmals seinen Meister. So war es. Dann aber genügte ihm später der Blick Jesu, der von Schergen festgehalten im Innenhof des Palastes vorüberging, um seinen großen Irrtum einzusehen. Der Evangelist Lukas berichtet uns, daß Petrus beim Herausgehen „bitterlich weinte“. (Lk 22, 62). Er war nicht vollkommen, aber er war demütig und aufrichtig. Er war immer der „Fels“.
2. Im Evangeliumsabschnitt, der uns vorgelesen wurde, erfahren wir von der großen Verwirrung, die damals hinsichtlich der Person Jesu bestand (damals, wie auch heute noch!): „Wer ist Jesus?“ so fragten sich die Menschen. Petrus, der Fels, weiß es und erklärte in einfacher und direkter Weise: Jesus ist „der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Mt 16, 16).
Versteht ihr diese Antwort? „Der Messias“, das heißt die Verwirklichung aller Verheißungen der Propheten an das auserwählte Volk, der Kulminationspunkt der Heilsgeschichte. Mehr noch: „Der Sohn Gottes.“ Jesus war ein Mensch, der in allem uns gleich war (außer der Sünde). Er war eben ein Mensch. Aber kein Mensch hatte jemals wie er gesprochen. Dies mußten sogar die Schergen zugeben, die man vom Tempel geschickt hatte, um ihn gefangen zu nehmen. Er war ein Mensch, aber kein Prophet hatte jemals die Werke vollbracht, die er vollbrachte. Es war das ganze Volk, das dies bestätigte. Aber „Sohn Gottes“? Ja, gewiß „Sohn Gottes“!