Stato della Città del Vaticano
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9. Dezember 2010

 Die Friedensmission der Kirche
und die Politik des Heiligen Stuhles
VORTRAG
von
Seiner Eminenz Dr. Giovanni Kardinal LAJOLO

vor der Österreichisch-Deutschen Kulturgesellschaft
Wien, Hotel de France, 9. Dezember 2010


Eminenz, hochwürdigster Herr Kardinal-Erzbischof von Wien!
Exzellenz, hochwürdigster Herr Apostolischer Nuntius!
Sehr geehrter Gastgeber, lieber Herr Präsident Professor Schambeck!
Exzellenzen!
Hochwürdige Geistlichkeit, liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt!
Liebe Mitglieder und Gäste der Österreichisch-Deutschen Kulturgesellschaft!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!


1.  Mit großer Freude, jedoch nicht ganz ohne ein wenig Bangen, habe ich die liebenswürdige Einladung von Herrn Professor Schambeck angenommen, über ein mir sehr nahes Thema vor dieser prestigereichen Gesellschaft zu sprechen, die in den vergangenen Jahren schon so manche illustre und kompetente Persönlichkeiten als Redner zu Gast hatte.
Indem ich dem Gastgeber des heutigen Abends, Herrn Professor Schambeck, bestens danke, grüße ich auch Sie alle, meine sehr verehrten Damen und Herren, respektvoll und herzlich!
Gleich zu Beginn sei es mir gestattet, einen nicht nur sehr angenehmen, sondern auch höchst ehrenvollen Auftrag zu erfüllen, indem ich Ihnen gerne den väterlichen Gruß und Apostolischen Segen Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. überbringe, der, wie Sie wissen, sich mit Österreich besonders verbunden weiß.
Ich möchte meinem Vortrag die Bemerkung vorausschicken, daß ich nicht beabsichtige, über bislang unbekannte Ereignisse oder Ideen im Zusammenhang mit der Friedensaktivität des Heiligen Stuhls auf internationaler Ebene zu referieren; ich werde hingegen versuchen, Ihre geschätzte Aufmerksamkeit auf einige wesentliche und vorrangige Elemente zu lenken, die gewissermaßen die logischen Grundlagen darstellen, ohne die sich der Diskurs über unser Thema weder entfalten kann, noch verstanden werden kann. Daher spreche ich zuerst über die Friedensmission der Kirche mit dem Ziel, den Ursprung der kirchlichen Friedensinspiration verständlich zu machen, die nicht auf einfache und offensichtliche Kriterien der Menschlichkeit und der internationalen Politik reduzierbar ist. Im zweiten Teil meines Referates werde ich dann auf einige Verlautbarungen und Interventionen des Heiligen Stuhls zugunsten des Friedens sowie auf einige seiner Instrumente, die diesem Ziel dienen, Bezug nehmen, wobei es sich hier logischerweise nur um Anmerkungen handeln kann.

2. Der Friede in der Welt ist ein Anliegen, das alle Staaten betrifft. Damit beschäftigen sich sowohl die Regierungen, als auch die nationale und die inter­nationale Politik. Der Friede ist aber ein viel zu wichtiges Anliegen, als daß es nur den offiziellen Gremien überlassen werden dürfte. Sie betrifft jeden einzelnen. Pax summum bonum. Der Friede ist jenes so hohe Gut, das die anderen Güter der Gesellschaft bedingt und befruchtet. Es erstaunt deshalb nicht, daß in den ver­gangenen Jahren eine internationale pazifistische Bewegung entstanden ist, deren Herkunft allerdings zweifelhaft und deren Konturen undeutlich sind, deren Philosophie überaus einfach und deren Vorschläge einseitig sind, die aber die Sympathie und die Zustimmung vieler, vorwiegend junger Menschen in aller Welt finden konnte. Denn der Friede betrifft wirklich alle und ist, kurz gesagt, der einzige Lebensumstand, nach dem alle von Natur aus streben. Alle wünschen den Frieden. Alle, auch die Anmaßenden und die Unterdrücker, die anderen ihren eigenen Willen aufzwingen und sie unterwerfen wollen. Denn wenn die anderen einmal unterworfen sind, können sie "in Frieden" herrschen.
Dies hat der hl. Augustinus mit seiner bekannten gedanklichen Kraft und der Macht seines Wortes im Buch XIX, Kapitel XII (Nr. 1 und 2) seines Meisterwerkes De civitate Dei gut zum Ausdruck gebracht. Ich beschränke mich darauf, nur einige kurze, aber sehr geistreiche Sätze zu zitieren: "Omnis enim homo etiam belligerando pacem requirit: nemo autem bellum pacificando. Nam et illi qui pacem, in qua sunt, perturbari volunt, non pacem oderunt, sed eam pro arbitrio suo cupiunt commutari. Non ergo ut sit pax nolunt, sed ut ea sit quam volunt… Pacem itaque cum suis omnes habere cupiunt, quos ad sum arbitrium volunt vivere. Nam et cum quibus bellum gerunt, suos facere, si possint, volunt, eisque subiectis leges suae pacis imponere… Cum etiam mali pro pace suorum belligerent, omnesque, si possint, suos facere velint, ut uni cuncti et cuncta deserviant; quo pacto nisi in eius pacem, vel amando, vel timendo consentiant?″ (″Jeder Mensch sucht den Frieden, auch wenn er Krieg führt. Keiner aber sucht den Krieg, wenn er Frieden schafft. In der Tat, auch diejenigen, die den Frieden stören wollen, in dem sie sich befinden, hassen den Frieden nicht, aber sie wünschen, ihn nach ihrem Gutdünken zu verändern. So kann man nicht sagen, daß sie den Frieden nicht wollen, sondern daß der Friede sei, den sie wollen. Sie wollen diejenigen, mit denen sie Krieg führen, sich zu eigen machen, um, wenn sie einmal unterworfen sind, ihnen die Gesetzte des eigenen Friedens aufzu­zwingen…").


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