Campo Santo Teutonico

Campo Santo Teutonico

 

Zwischen Sankt Peter und der neuen Audienzhalle liegt der Campo Santo Teutonico, die älteste deutsche Nationalstiftung in Rom. Der von einer hohen Mauer umgebene Bezirk erscheint unauffällig, aber selbst dem flüchtigen Besucher offenbart sich bald der Reiz dieses geschichtsmächtigen Fleckens. In der Antike befand sich hier der Zirkus des Nero, der Schauplatz vieler christlicher Martyrien. Seit zwölf Jahrhunderten hat sich hier in der Nähe des Petersdoms deutscher Besitz erhalten. Um 799 wird erstmals von einer Schola Francorum berichtet. Daher ist an der Fassade des Hauptgebäudes ein Majolikabild angebracht, das Karl den Großen als Gründer zeigt. Deutliche Konturen gewinnt der Platz jedoch erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, als das Heilige Jahr 1450 viele Pilger nach Rom führte. Damals wurden der Friedhof und seine verfallene Kirche wider hergestellt und die deutschen Angehörigen der Kurie schlossen sich in einer Armenseelen-Bruderschaft zusammen, die noch heute in weiter entwickelter Gestalt fortbesteht und Träger der Stiftung ist. Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts entstand die heutige Kirche, die sich dem in Deutschland verbreiteten Typ der Halle anschließt. Im Jahre 1597 folgte die Erhebung des Rechtsträgers zur „Erzbruderschaft Unserer Lieben Frau auf dem deutschen Gottesacker bei Sankt Peter“. Seit 1876 ist damit ein Wissenschaftliches Priesterkolleg verbunden, welches zwanzig Plätze für studierende Geistliche aus dem deutschen Sprachraum enthält. Seit 1888 befindet sich hier zugleich das römische Institut der Görresgesellschaft mit einer Bibliothek von ca. 40.000 Bänden.

Der Zugang zur Kirche, die 1972/75 restauriert wurde, bildet vom Friedhof her ein Portal von Elmar Hillebrand (Köln), das Bundespräsident Theodor Heuß 1957 stiftete. Auf dem linken Flügel Maria mit dem Kind, darunter das Wappen der Erzbruderschaft, eine Verbindung von Doppeladler und Pietà. Auf dem rechten Flügel ein Auferstehungsbild.

Die Bildtafeln des Hochaltars stammen von unbekannten Künstlern und zeigen in der Mitte das Pieta-Motiv und auf den Flügeln von links nach rechts den Apostel Petrus mit Johannes des Täufers, die Begegnung von Anna und Joachim, eine Anna Selbtritt und Paulus mit Jakobus.

Die vordere Platte des Hauptaltars, ursprünglich wohl zu Altarschranken gehörig, ist ein typisches Zeugnis frühmittelalterlicher Archaik.

Die Schweizer Kapelle diente nach dem Sacco di Roma 1527 als Grablege der gefallenen Gardisten. Die hier befindlichen Fresken von Polidoro Caldara, einem Schüler Raffaels, sind von höchster künstlerischer Qualität.

Der Campo Santo ist wegen seiner einzigartigen Lage seit jeher ein begehrter Begräbnisplatz.

Nach den Statuten haben das Grabrecht die Mitglieder der Erzbruderschaft, die Angehörigen von Ordenshäusern deutschen Ursprungs sowie die beiden anderen deutschen Kollegien in Rom, die Anima und das Germanikum. Hier liegen unzählige Tote, berühmte und unbekannte. Während aber das Gebetsandenken allen gleichermaßen gilt, suchen die Fremden meist die Grabstätten berühmter Toter aus dem Bereich von Kirche, Kunst, Politik und Diplomatie. 

 

1)      Josef Anton Koch,  Landschaftsmaler († 1839);

2)      Ludwig Curtius, Archäologe († 1954);

3)      Johann Baptist Anzer, erster Missionsbischof der Steyler Missionare († 1903);

4)      Joseph Spithöfer, maßgebender Förderer des Deutschtums in Rom während des 19. Jahrhunderts († 1870);

5)      Stefan Andres, Schriftsteller († 1970);

6)      Johann Martin von Wagner, Archäologe und Künstler († 1858);

7)      Anton de Waal, erster Rektor des Priesterkollegs († 1917);

8)      Engelbert Kirchbaum, Archäologe, maßgeblich beteiligt an der Auffindung des Petrusgrabes († 1970);

9)      Gustav Kardinal von Hohenlohe, († 1896);

10)  Augustin Theiner, Präfekt des Vatikanischen Geheimarchivs († 1874).

 

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