Ausgabe einer Normalpostserie - DIE SIXTINISCHE KAPELLE 1508 - 2008

Emissione di Posta Ordinaria - LA CAPPELLA SISTINA 1508 - 2008  

Die Entscheidung von Papst Julius II., die Ausschmückung der Gewölbedecke vollständig zu erneuern, ist wahrscheinlich rückführ-bar auf die Probleme statischer Natur, die die Sixtinische Kapelle bereits seit den ersten Jahren seines Pontifikats (1503-1513) aufwies. Am 8. Mai 1508 unterzeichnete Michelangelo den Vertrag, der die Realisierung der Zwölf Apostel in den Gewölbezwickeln und ornamentale Motive für die restliche Oberfläche vorsah. In der Folge, auf ausdrückliches Ersuchen von Buonarroti, der den Plan als eine »dürftige Sache« erachtete, erteilte ihm der Papst einen neuen Auftrag und überliess dem Künstler die volle Entscheidung der Gestaltung des Ausschmückungsprogramms. Daher ist die Annahme, dass der Maler für dessen Realisierung die Zusammenarbeit der Theologen des päpstlichen Hofes in Anspruch nahm, sehr wahrscheinlich. In eine mächtige Scheinarchitektur fügte Michelangelo neun zentrale Begebenheiten, mit der Darstellung von Episoden der Genesis ein, seitlich gerahmt von den »Ignudi«, die gemalte Medaillons mit Szenen aus dem Buch der Könige stützen. Au der Basis der architektonischen Struktur sitzen Seher, und zwar Sibyllen und Propheten, auf monumentalen Thronen, denen weiter unten die Vorfahren Christi in den Stichkappen und Lünetten gegenüberstehen. Schliesslich stellte der Künstler in den vier Eckzwickeln Episoden der wunderbaren Errettung des Volkes Israel dar. Im August 1510 beendete Michelangelo die erste Hälfte der Decke, von der Eingangswand bis zur Erschaffung Evas. Die Ausschmückung musste vor dem 31. Oktober 1512 vollendet sein, da der Papst am 1. November in der Kapelle die Messe zelebrierte.