400. TODESJAHR VON CARAVAGGIO

IV CENTENARIO DELLA MORTE DI CARAVAGGIO  

Kurze Zeit nur währte das Leben (nur 38 Jahre) von Michelangelo Merisi, geprägt von Krankheit und häufigem Fliehen von Stadt zu Stadt, aber auch von einer reichhaltigen Produktion von Gemälden, die später geschätzte Meisterwerke wurden. Anlässlich seines 400. Todesjahres präsentiert das Amt für Philatelie und Numismatik eine Briefmarkenserie mit der Darstellung der Grablegung, die von Girolamo Vittrice für die Familienkapelle in Auftrag gegeben wurde und die als eines der grössten Meisterwerke von Caravaggio gilt. Auf dem grandiosen Gemälde (300 x 203 cm), früher ausgestellt in der Kirche »Chiesa Nuova« und heute aufbewahrt in der Pinakothek der Vatikanischen Museen, stellt Caravaggio die der Grablegung direkt vorausgehende Episode dar. Im Vordergrund bemerken wir Nikodemus, den barmherzigen Pharisäer, der Jesus von den Nägeln des Kreuzes, das den Leib Christi trägt, befreit. Hinter ihm erkennt man die geschichtlichen Zeugen der Passion, da ist der verzweifelte Aufschrei der Maria Cleophas, da ist Maria Magdalena, die herzergreifend weint, da ist die Mutter, mit vor Schmerz versteinertem Antlitz, da ist Johannes, der den Meister zum letzten Mal zu berühren versucht. Keiner kann leugnen, dass der Leib des vom Kreuz »Abgenommenen« ein Anklang an die Pietà des Michelangelo ist. Der gerade vom Kreuz herunter genommene Leib Christi wird entkleidet und auf den grossen, gut im Vordergrund sichtbaren Stein gelegt. Nicht der Stein ist bestimmt zur Grabversiegelung, sondern das für die Begräbnisse bestimmte Marmorbett, der lapis untionis. Der Stein ist der eigentliche, stille Protagonist des Bildes: die Marmorplatte richtet die Ecke auf den Betrachter und erinnert sogleich an den Psalm 118: »Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.« In diesem Moment ist Christus der von der Geschichte verworfene Stein.