Die Vatikanstadt im Laufe der Geschichte

La Città del Vaticano nel tempo

Der Begriff Vatikan bezeichnete in der Antike das sumpfige Gebiet auf dem rechten Tiberufer zwischen der Milvischen Brücke und der heutigen Brücke “Ponte Sisto”. Während der Königszeit und der gesamten republikanischen Epoche war das Gebiet als Ager Vaticanus bekannt und erstreckte sich im Norden bis zur Mündung des Cremera und im Süden bis mindestens zum Gianicolo-Hügel. In der Kaiserzeit, vom II. Jahrhundert n. Chr. an, ist der Ortsname Vaticanum bekannt, der ein ungefähr dem heutigen Vatikanstaat entsprechendes Gebiet umfasste. Zur römischer Zeit wurde das Gelände außerhalb Roms urbar gemacht. Man errichtete dort Villen, legte die Garten der Agrippina an – Mutter des Kaisers Caligula (37-41 d.Chr.) und eine weitläufige Nekropole entlang der Hauptstrassen. In den Gärten seiner Mutter erbaute Caligula einen kleinen Zirkus für das Training der Wagenlenker (Gaianum), der später von Nero restauriert wurde. Hier soll der Überlieferung nach Petrus das Martyrium während der großen Christenverfolgung unter Nero im Jahre 64 n.Chr. erlitten haben.

Entlang der Via Trionfale, die vom Petersplatz nach Norden zum Monte Mario führt, hat man mehrere Gräber freigelegt. Entlang der Via Cornelia hingegen, die nach Westen führt, lag die Nekropolis, in der sich auch das Grab des Apostel Petrus befindet. Die Präsenz des Petrus bildet den topografischen Angelpunkt der Zone sowie Ziel der seit zweitausend Jahren bedeutendsten christlichen Wallfahrt. Die Nekropolis wurde bei dem Bau der dem Apostel geweihten Basilika zugeschüttet. Die von Kaiser Konstantin (306-337 n.Chr.) in Auftrag gegebene Konstruktion leitete die nachfolgende Entwicklung der Zone ein. Nach der Liberalisierung der christlichen Religion in Folge des berühmten mailändischen Edikts 313 n.Chr., ließ Kaiser Konstantin 324 mit dem Bau einer großen Kirche beginnen. Diese wies fünf Schiffe sowie Transept und Apsis auf, in deren Zentrum sich das Grabmal des Hl. Petrus befand. Das Ganze wurde von einer Treppe und einem Quadriporticus, in dem sich die Ungetauften aufhalten mussten, vervollständigt. In der Zwischenzeit verfiel der Zirkus des Nero immer mehr, auch weil viele seiner Steine für den Bau der neuen Kirche verwendet wurden. Papst Leo IV. (847-855) erbaute zum Andenken an den hl. Petrus einige Jahre später die ersten Mauern der “civitas”, die nach ihm “Leoniana” benannt wurden und den spirituellen Mittelpunkt des neuen mittelalterlichen und renaissancezeitlichen Roms darstellen sollte. Wenngleich die Päpste im Lateranpalast residierten, wurden im Mittelalter einige Gebäude in der an Sankt Peter angrenzenden Zone errichtet. Im Besonderen unter Eugen III. (1145-1153) und Innozenz III. (1198-1216) wurde der erste Palast erbaut. Diesen vergrößerte man am Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts und restaurierte den leonischen Mauerring. 1309 wurde jedoch der Sitz des Papstes nach Avignon verlegt. Rom und die Peterskirche wurden für über ein Jahrhundert lang verlassen. Es mussten tatsächlich 50 Jahre von der Wiederkehr des Papstes nach Rom 1377 vergehen, bis die Stadt wieder in neuem Glanz erstrahlte. Mitte des 15. Jahrhunderts beschäftigte man sich zum ersten Mal mit dem Problem eines eventuellen kompletten Neubaus der Peterskirche. Papst Nikolaus V. (1447-1455) ließ von dem Architekten Bernardo Rossellino ein Projekt zur Vergrößerung der Basilika anfertigen, mit einer neuen, hervorragenden Apsis. Mit den Arbeiten daran wurde aber erst einige Jahre später begonnen, da der Vormarsch der Türken und die Niederlage Konstantinopels zur Aufgabe des Projektes zwangen. Zwischen 1477 und 1480 ließ Papst Sixtus IV. (1471-1484) mit dem Bau einer großen Kapelle beginnen, die nach ihm Sixtinische Kapelle benannt wurde. Sie wurde von den bedeutendsten italienischen Malern der Epoche mit Fresken dekoriert und am 15. August 1483 eingeweiht. Unter Julius II. (1503-1513) wurden große Veränderungen unternommen, welche die Stadt radikal verwandelten. So begann er mit dem Abriss der konstantinischen Basilika und dem Bau der neuen Peterskirche. Außerdem ließ er den berühmten Hof Belvedere anlegen, um den Palazzetto Belvedere seines Vorgängers Innozenz VIII. (1484-1492) im Norden mit den mittelalterlichen Gebäuden im Süden zu verbinden. Er rief darüber hinaus Raffael und Michelangelo nach Rom für die Fresken in den Papstgemächern und der Sixtinischen Kapelle. Im Laufe des gleichen Jahrhunderts wurden auch noch andere Arbeiten ausgeführt: die Peterskirche, die nach langem hin und her schließlich entworfen worden und im Zentrum von Michelangelo Mitte des 16. Jahrhunderts begonnen worden war, wurde von Giacomo Della Porta mit einer grandiosen Kuppel versehen. Die Kirche wurde dann von Maderno Anfang der 17. Jahrhunderts erweitert mit der Zufügung von zwei Spannweiten im Längsarm. Mitte des 17. Jahrhunderts vervollständigte Bernini das Werk mit dem davor liegenden Platz.

 


 

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